
Berufsorientierung im Wandel
Vielfältigere Berufe, veränderte Prioritäten, neue digitale Zugänge
Was will ich mal werden? Mit dieser Frage sind Jugendliche und junge Erwachsene im Zuge ihrer schulischen Bildung immer wieder konfrontiert, ob bei Infoveranstaltungen, Beratungsgesprächen und Praktika. Gleichzeitig wird die Antwort immer komplizierter. Während sich neue Berufsfelder eröffnen, klassische Tätigkeiten neu gedacht und die Wege in Ausbildung, Studium und Beruf vielfältiger werden, kann man schnell den Überblick verlieren.
Jugendliche müssen daher gleich mehrere Schritte meistern: Sie müssen die eigenen Kompetenzen, Ziele und Interessen kennenlernen, sich Orientierung verschaffen und mit den konkreten Anforderungen der Arbeitswelt auseinandersetzen. Berufsorientierung soll sie dabei unterstützen.
Berufsorientierung bezeichnet den Prozess, in dem Jugendliche und junge Erwachsene ihre eigenen Interessen, Fähigkeiten und Ziele erkennen und sich mit den unterschiedlichen Möglichkeiten in der Arbeitswelt auseinandersetzen. Sie umfasst sowohl die Vermittlung von Wissen über verschiedene Berufsfelder als auch die Unterstützung bei der persönlichen Entscheidungsfindung.
Ziel der Berufsorientierung ist es, jungen Menschen zu helfen, einen passenden Weg in Ausbildung, Studium oder Beruf zu finden und sie auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten.
Dabei steht im Mittelpunkt, dass jeder Einzelne seine Kompetenzen und Wünsche reflektiert und eigenständig Entscheidungen treffen kann. Berufsorientierung soll dazu beitragen, Orientierung zu schaffen, Selbstwirksamkeit zu fördern und einen reibungslosen Übergang von der Schule in das Berufsleben zu ermöglichen.
Vielfältige Berufe, veränderte Prioritäten
Die Anforderungen an berufliche Orientierung sind indes gewachsen. Die Berufe sind heterogener und moderner geworden.
Hilfreich für die Berufswahl ist es die Jugendlichen viel ausprobieren zu lassen. Eine Möglichkeit bieten praxisnahe Formate außerhalb des Unterrichts: zum Beispiel in Ferienprogrammen zur Berufsorientierung, Projektwochen oder Praktika können Jugendliche Berufe kennenlernen und ausprobieren – ohne den Druck schulischer Leistungsbewertung. Auch Begegnungen mit realen Bildungs- und Berufsbiografien spielen eine zentrale Rolle: Gespräche mit Auszubildenden oder Studierenden machen Wege greifbar und unterstützen Jugendliche dabei, eigene Entscheidungen einzuordnen. Zudem sollten Eltern als Berufswahlmultiplikatoren miteinbezogen werden.
Digital, individuell, ergänzend
Digitale Angebote können zudem analoge Formate sinnvoll ergänzen. Apps zur Berufs- und Studienorientierung, etwa mit spielerischen Elementen oder individualisierten Abfragen, ermöglichen Jugendlichen einen niedrigschwelligen Zugang zu eigenen Interessen und Fähigkeiten. Ziel muss es sein, dass jede Schülerin und jeder Schüler den eigenen Weg findet.
Darüber hinaus eröffnen Virtual-Reality-Anwendungen neue Zugänge: Mit VR-Brillen lassen sich ganze Arbeitsumgebungen simulieren. Das sorgt für ein Aha-Erlebnis und es verändert zum Beispiel den Blick aufs Handwerk. Digitale Berufsorientierung ersetzt zwar keine persönlichen Erfahrungen, kann aber Orientierung vertiefen, Neugier wecken und Entscheidungsprozesse vorbereiten.
